(pd) Vom 27. Mai bis 14. Juni macht die Ausstellung zum Thema fürsorgerische Zwangsmassnahmen auf dem Zeughausplatz vor dem Museum.BL Halt. Sie erzählt unter dem Titel «Ich bin einfach niemand gewesen» persönliche Geschichten von Betroffenen, thematisiert frühere und aktuelle Rahmenbedingungen und gibt Denkanstösse zum Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Zwang.
Bis 1981 konnten in der Schweiz Menschen, deren Lebensweise den gesellschaftlichen Normen widersprach, die nicht für sich selbst sorgen konnten oder als verwahrlost galten, von den Behörden ohne Gerichtsentscheid in Heime, psychiatrische Kliniken, Arbeitsanstalten oder Pflegefamilien eingewiesen werden. Betroffen von Massnahmen wie Fremdplatzierung, administrativer Versorgung, Zwangssterilisation oder Arbeitszwang waren hunderttausende Menschen: darunter Kinder, Jugendliche, ledige Mütter, Suchtkranke und Menschen mit Behinderungen. Die fürsorgerischen Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierungen führten häufig zu Entwurzelung, Missbrauch- und Gewalterfahrungen und schweren Traumata.
Wann wird Fürsorge zu Zwang?
Die Ausstellung, die von der Arbeitsgemeinschaft Rogger | fischteich | Hänggi aus Aarau initiiert wurde und in der ganzen Schweiz gezeigt wird, beleuchtet das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven. Sie macht das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Zwang sichtbar, gibt Betroffenen eine Stimme und weckt Empathie für Menschen, die am Rand der Gesellschaft standen – und stehen. Sie blickt kritisch auf die Vergangenheit und Gegenwart und fragt: Wann wird Fürsorge zu Zwang? Wann ist Zwang legitim? Und wie lassen sich Machtmissbrauch und Unrecht verhindern? Die Ausstellungsmachenden fassen das Thema bewusst weiter und blicken auch auf die Lebensumstände von Familien, die vom Saisonnier-Statut betroffen waren, auf Geflüchtete und Sans Papiers.
Erzählcafé und Geschichtswerkstatt
Begleitend zur Ausstellung finden diverse Veranstaltungen statt: ein Erzählcafé und ein Themenabend zur Situation fürsorgerischer Zwangsmassnahmen im Kanton Baselland, die Vorführung des Films «Nebelkinder», der Menschen auf Spurensuche begleitet, deren Eltern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren, sowie eine Buchvernissage des Verlags Baselland zur Lebensgeschichte eines Betroffenen aus dem Baselbiet.
Im Nachgang der dreiwöchigen Ausstellung haben Interessierte zudem die Möglichkeit, im Rahmen einer Geschichtswerkstatt die eigene Lebens- oder Familiengeschichte zu erforschen.