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Aarau: Eine runde Sache – Volunteers for Humanity feiert zehnjähriges Bestehen

(eing.) Der Vorstand von Volunteers for Humanity hat am 22. August zusammen mit Spendern, Helferinnen, Interessierten und Weggefährten auf das zehnjährige Bestehen des Aargauer Vereins angestossen.

Foto: zVgIn einem Rückblick hat die Präsidentin Marit Neukomm aufgezeigt, welche enorme Hilfe der Verein in den letzten Jahren für Menschen auf der Flucht, in Syrien und in der Ukraine leistete. In einer kleinen Ausstellung wurden eindrückliche Fotos der ersten Hilfseinsätze in den Jahren 2015 bis 2018 auf den griechischen Inseln gezeigt.
Das Lager von Volunteers for Humanity im Zeughaus in Aarau ist der Dreh- und Angelpunkt des Vereins. Dort wurden in den letzten zehn Jahren Hunderte Tonnen an Hilfsmaterialien sortiert, verpackt und verladen. An diesem Ort hat der Vorstand am Samstag, 22. August, über 60 Gäste anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Volunteers begrüssen dürfen. Mit einer Präsentation zeigte der Vorstand die wichtigsten Stationen der Tätigkeit des Vereins in den letzten Jahren auf.

Foto: zVgAlles begann mit der Versorgung von flüchtenden Menschen auf der Balkanroute und den griechischen Inseln. Es folgte der Transport von medizinischen Hilfsmitteln und Materialien nach Syrien. Dank der Zusammenarbeit mit hiesigen Spitälern und Einrichtungen konnten in der Schweiz nicht mehr benötigte Güter in Containern in das vom Bürgerkrieg schwer gezeichnete Land spediert werden.
Diese Kooperationen haben seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine im Februar 2022 den Transport von weit über 200 Tonnen vorwiegend medizinischen Materials an die dortigen Gesundheitseinrichtungen ermöglicht. Wie Marit Neukomm in ihren Ausführungen aufzeigte, ist die Ukraine derzeit einer der beiden Schwerpunkte der Vereinsarbeit. Beim zweiten zentralen Projekt werden Geflüchtete auf der griechischen Insel Samos mit den grundlegendsten Mitteln, wie Hygieneartikeln, Bekleidung und Decken, versorgt. Dabei arbeitet Volunteers for Humanity mit einer Partnerorganisation vor Ort zusammen, die sich in ihrem Gratis-Laden um die Verteilung der
Hilfslieferungen kümmert.

Foto: zVg«Es tut gut, gemeinsam auf so viele Jahre gemeinsamen Engagements zurückschauen zu können», sagt Marit Neukomm. Die Geschichte des Vereins zeige, wie viel Hilfe möglich werde, wenn sich Gleichgesinnte zusammenschliessen und am gleichen Strick ziehen. Nach wie vor wird Volunteers for Humanity zu 100 Prozent durch Ehrenamtliche betrieben. Die Organisationskosten, inklusive Fundraising-Kosten, betrugen im vergangenen Jahr 5,87 Prozent der Ausgaben. Im Jahr 2024 lag er sogar bei 4,38 Prozent, wobei dies unter anderem an den tieferen Ausgaben im Jahr 2025 lag. Damit liegt der Verein unter dem Durchschnitt von 12 Prozent für administrative Aufgaben, den die Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Non-Profit-Organisationen Zewo in einer Studie bei den von ihr zertifizierten Hilfswerken ermittelt hat. Der Jubiläumsanlass wurde ausschliesslich mit Sponsorengeldern finanziert. Die Verantwortlichen danken der Bank Leerau/Kirchleerau, der Weinhandlung Küferweg/Seon, dem Grand Hotel Kronenhof/Pontresina und zwei privaten
Sponsorinnen für ihren Beitrag.

Marit Neukomm. Foto: zVgInterview mit Marit Neukomm
Sie haben vor über zehn Jahren mit Posts in den sozialen Medien angefangen, Hilfe für Flüchtlinge zu organisieren. Heute ist Volunteers for Humanity ein etablierter Verein. Wie schauen Sie auf diese Jahre zurück?
Dieses Engagement war und ist enorm sinnstiftend. Die Arbeit ist aber nicht immer einfach. Wir helfen Menschen auf der Flucht und in Krisengebieten. Das Schicksal dieser Menschen lässt uns nicht kalt, sonst würden wir uns ja nicht engagieren. Wir versuchen, ein gesundes Verhältnis von Empathie und einer Art professioneller Distanz zu finden. Das ist ein Prozess, der nie ganz abgeschlossen ist. Zudem gibt es Rückschläge, wie beispielsweise im Jahr 2025. Damals wurde eine unserer Sattelschlepper-Ladungen mit medizinischem Material im Lager unserer Partnerorganisation in Kiew durch einen Angriff der russischen Armee zerstört. Und nicht zuletzt sind wir ein Verein, wie jeder andere, wo ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen. Auch wir müssen diskutieren und immer wieder nach Lösungen suchen.

Es gibt immer wieder neue Krisen- und Kriegsgebiete. Wie entscheidet der Verein, wo und wie geholfen und Mittel eingesetzt werden?
Wir setzen bei unserer Arbeit auf Kontinuität. Es macht keinen Sinn, dass wir Zeit und finanzielle Mittel an vielen verschiedenen Krisenorten investieren. Das können wir als kleiner Verein gar nicht stemmen. Bei unseren derzeitigen zwei Schwerpunkten – die Ukraine und die Flüchtlinge auf Samos – arbeiten wir seit Jahren mit den gleichen Partnern vor Ort zusammen. Auf diese Weise können wir die Hilfe organisieren, die am meisten benötigt wird. Auch für unsere Partner bringt das Sicherheit, denn sie müssen viele Unsicherheiten meistern. So lässt sich nicht vorher sehen, wann das nächste Mal eine grosse Anzahl von Flüchtenden auf Samos eintrifft. Und in einem Krieg, wie in der Ukraine, ist kaum mehr etwas berechenbar.

Viele Menschen würden sich gerne engagieren, aber es fehlt ihnen dieser letzte entscheidende Ruck, um tätig zu werden. Was sagen Sie diesen Menschen?
Setzt euch an den Computer und fragt bei der Organisation an, deren Ziel ihr mittragen wollt. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, und das muss nicht einmal regelmässig sein. Wir sind beispielsweise darauf angewiesen, dass uns Freiwillige beim Verpacken von Hilfsgütern für die Flüchtlinge auf Samos helfen. Auch das Beladen der Sattelschlepper für die Ukraine können wir nicht alleine bewerkstelligen. Wer mit anpacken will, braucht uns nur ein Mail zu schicken. Wir nehmen die Person dann in unseren Helferchat auf. Dort teilen wir jeweils mit, wann wir wofür helfende Hände brauchen. Es gibt auch viele Frauen, die Taschen für unser Projekt auf Samos nähen. Darin können die Menschen ihre Waren aus dem Gratis-Laden ins Camp tragen und sie immer wieder verwenden. Manchmal sind wir auch einfach froh, wenn jemand mit seinem Auto oder Bus Material für uns abholen kann. Es sind diese vielen kleinen Arbeiten, die einen Verein am Laufen halten.