Vertreter der 32 Mitgliedsgemeinden des Planungsverbands liessen sich am Freitagnachmittag im Rampart in Frick über aktuelle Projekte informieren und nutzten die Plattform darüber hinaus für den informellen Austausch.
SIMONE RUFLI
Mit seinen Dimensionen und Kosten in der Höhe von 14 Million Franken zieht der im Bau befindliche Wildtierkorridor AG-01 Zeiningen-Wallbach-Möhlin die Aufmerksamkeit auf sich. Entsprechend interessiert verfolgten die Gemeindevertreter die Ausführungen von Sabin Nater, Co-Leiterin Sektion Natur und Landschaft, Kanton Aargau. Schweizweit seien 28 Prozent der Wildtierkorridore intakt, 56 Prozent als Folge der fortschreitenden Zersiedelung, einer ausgeräumten und strukturarmen Landschaft und der Verkehrsinfrastruktur beeinträchtigt und 16 Prozent unterbrochen, so Nater. «AG-01 ist die Nord-Süd-Verbindung schlechthin.»
Nicht ohne Grund so breit
Doch damit die Tiere den Übergang dereinst nutzen, seien Lichtimmissionen zu vermeiden, Lärmimmissionen auf ein Minimum zu beschränken, darum die Breite der Bauten und die umfangreiche Gestaltungsmassnahmen obendrauf. Darüber gehen sollen dereinst Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs, Feldhase, Iltis, Hermelin, Baummarder, Mauswiesel, Biber, aber auch Rothirsch, Luchs, Wildkatze. Zum Missfallen von Oberhofs Gemeindeammann Roger Fricker, der den Rothirsch gerne jenseits des Rheins belassen würde, weil er dem Wald Schaden zufüge. Hecken, Ast- und Steinhaufen, sowie Weiher sollen die Tiere leiten und «verhindern, dass Wanderer und vor allem Biker, den Korridor für sich entdecken». Velofahrer werden unter diesem und neben der Autobahn durchgeführt, oben Betretverbote angebracht und die Landwirtschaftswege im Bereich des Korridors als Sackgassen konzipiert.
Nater bedankte sich für die Unterstützung der Landwirte, der Salinen, von Naturschutzvereinen und Jagdgesellschaften. Für Letztere gebe es grundsätzlich keine Einschränkungen lediglich das Gebot, im «Ökoband» sowie auf Wildtierüberführungen auf Jagd und Jagdeinrichtungen zu verzichten.
Weil nicht nur Autobahnen zu überqueren sind, kommen auf Hauptstrassen im Kanton Aargau immer häufiger Wildwarnanlagen zum Einsatz. Warntafeln mit rot aufleuchtendem Dreieck mit Reh-Symbol machen auf ein anwesendes Tier und eine unmittelbar bevorstehende Gefahr aufmerksam. Die Erfahrungen mit diesen Anlagen seien gut, so Nater.
Potenzialraum Fricktal
Ein weiteres Thema der Fricktalkonferenz: die Möglichkeit, dem kantonalen Programm «Potenzialraum Fricktal» beizutreten. Ziel ist, dass die Gemeinden sich gemeinsam in der Wirtschaftsförderung engagieren. Um ins Programm aufgenommen zu werden ist der Nachweis eines grösseren wirtschaftlichen Entwicklungspotenzials erforderlich, die Bereitschaft, gemeinsam mindestens 100'000 Franken pro Jahr zu investieren sowie die Einreichung eines umfangreichen Antragsdossiers bis 11. Oktober 2026.
Eiken, Frick, Kaiseraugst, Kaisten, Laufenburg, Münchwilen, Rheinfelden, Sisseln und Stein (Gemeinderatsbeschlüsse Mai 2025) haben bereits ihr Interesse bekundet und sich im Grundsatz für eine Beteiligung ausgesprochen. Sie arbeiten an Konzept und Bewerbungsunterlagen mit und beabsichtigen, die Absichtserklärung zu unterzeichnen: Die Sitzung zur Konkretisierung des Antragsdossiers ist auf den 3. Juni 2026 angesetzt. Fricktal Regio koordiniert die Eingabe der Bewerbungsunterlagen.
Leitfaden aktualisieren
Im Rahmen des kantonalen Programms «Natur 2030, für einen vielseitigen und vernetzten Lebensraum Aargau», ging Victor Condrau, externer Planer, auf den Stand bei der Aktualisierung der Landschaftsentwicklungsprogramme (LEP) ein. Das aktuelle LEP Fricktal stammt aus den Jahren 2004/05. «Seither hat sich einiges verändert», so Condrau. Das LEP, dessen Webseite (www.lep-aargau.ch) mit jener des Aargauischen Geografischen Informationssystems (Agis) koordiniert wird, dient als Leitlinien für BNO-Revisionen und kantonale Programme. Ziel sei es, so Condrau, die aktualisierte Version im November 2027 der Abgeordnetenversammlung zur Genehmigung vorzulegen. Für Landwirte sei des LEP besonders hilfreich, meinte Robert Schmid: «Um zu wissen, wo sie Gelder für ihre Aufwendungen im Naturschutz einfordern können».
Verteilt wurde am Freitag das frisch gedruckte Regionale Entwicklungskonzept (REK), genehmigt an der AGV vom 4. März 2026. Es löst das REK aus dem Jahr 2008 ab und bezweckt die regionale Abstimmung der räumlichen Entwicklung in den Bereichen Siedlungsentwicklung und Mobilität, Natur und Landschaft.
Hohe Wertschöpfung im Fricktal
Im Jahr 2025 zählten die 32 Gemeinden des Fricktals 89’696 Einwohner/-innen (+34 Prozent gegenüber 2002). Der Anteil an der Gesamtbevölkerung des Kantons Aargau beträgt 12,1 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten (Vollzeitäquivalent) betrug im Jahr 2022 34’394 (+ 29 Prozent seit 2000, in Bezug auf den gesamten Kanton Aargau 12,3 Prozent), die Wertschöpfung lag Ende 2022 bei 9,2 Milliarden Franken (+148 Prozent seit 2000). Die Wertschöpfung pro Vollzeitäquivalent betrug 267’112 Franken (+92 Prozent seit 2000). Im Verhältnis zum Kanton entspricht das einem Plus von 50 Prozent.
Dem Vorstand von Fricktal Regio gehören an: Robert Schmid, Gemeindeammann Böztal (Präsident), Gunthard Niederbäumer, Vizeammann Frick (Vizepräsident), Marion Wegner Hänggi, Frau Gemeindeammann Wallbach, Benedikt Gürtler, Gemeindeammann Obermumpf, Loris Gerometta, Gemeindeammann Möhlin, André Maier, Stadtrat Laufenburg, Claudia Rohrer, Stadtpräsidentin Rheinfelden und beratend Christian Brodmann, Kreisplaner des Kantons. (nfz)