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Sie sind überzeugt vom Konzept des Projekts «Generationen im Klassenzimmer»: Beatrix Ackle, Susanne Siebenhaar, Eveline Dillinger und Ruth Walde (von links). Foto: Sonja Fasler
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«Ein Gewinn für alle Seiten» – Pro Senectute sucht engagierte Senioren für Projekt «Generationen im Klassenzimmer»

Das Konzept ist denkbar einfach und seit über 20 Jahren ein Erfolgsmodell: Seniorinnen und Senioren besuchen regelmässig den Schulunterricht und tauschen sich mit Kindern und Jugendlichen aus. «Generationen im Klassenzimmer» heisst das Projekt der Pro Senectute. Im Bezirk Laufenburg sind weitere Senioren gefragt, die sich entsprechend engagieren wollen.

SONJA FASLER

«Das Ziel des Projektes ist der Generationendialog», betont Susanne Siebenhaar, «und das zwischen drei Generationen: den Kindern, den Lehrpersonen und den Seniorinnen oder den Senioren.» Siebenhaar ist bei Pro Senectute Aargau zuständig für den Bereich Altersprojekte, zu welchem auch das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» gehört. Sie hat den Gesamtüberblick und schliesst die einzelnen Verträge mit den Schulen ab.

«Lebenserfahrung pur»
Das Projekt ist 2003 gestartet und entwickelt sich seither erfreulich. Über 420 Seniorinnen und Senioren ab 60 Jahren engagieren sich mittlerweile kantonsweit – Tendenz steigend. Männer und Frauen sind gleichermassen vertreten. «Es ist ein dynamisches Projekt und gewinnbringend auf verschiedenen Ebenen», berichtet sie begeistert. Es schaffe Erfahrungen ausserhalb der Familie und lasse Verständnis für die jeweils andere Generation entstehen, anstelle von verhärteten Fronten, wie es sie heute leider zu oft gebe. «Es weckt das Verständnis füreinander. Die Lebenswelten der drei Generationen sind komplett unterschiedlich. Der Schulalltag sah zu Zeiten der älteren Generation noch ganz anders aus, die Lehrpersonen stehen vor anderen Herausforderungen. Man profitiert voneinander.»
Die Pro Senectute leistet mit dem Projekt einen grossen Beitrag zum Austausch. «Der Einsatz ist entsprechend gross, sei es bei der kantonalen Leitung oder bei den Mitarbeitenden auf den Beratungsstellen, die Gespräche mit den Senioren führen und den Erfahrungsaustausch in den Schulen betreiben», betont sie. Das Feedback einiger «Gikler», wie die Teilnehmenden am Projekt intern genannt werden, lautete: «Es ist Lebenserfahrung pur.» Das sei eine wunderbare Aussage, die das Ganze auf den Punkt bringe, ist Susanne Siebenhaar überzeugt und spricht von einer «Win-win-win-Situation». Im oberen Fricktal soll das Projekt wieder vermehrt in Erinnerung gerufen werden, sowohl bei den Schulen als auch bei den Seniorinnen und Senioren.

Auch Spass muss während des Unterrichts sein, sei es beim Küchentücher falten...Freude am Umgang mit Kindern ist elementar
Was aber sollten Interessierte mitbringen? Eine Anleitung, wie sich der Senior oder die Seniorin verhalten müsse, gebe die Pro Senectute nicht, betont Eveline Dillinger, Leiterin der Beratungsstelle der Pro Senectute Bezirk Laufenburg in Frick. Eine pädagogische Ausbildung oder Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. «Wichtig ist der Wille dazu, sich einzubringen, und man muss Freude haben an der Arbeit mit Kindern der entsprechenden Schulstufe», betont Eveline Dillinger. Im Bezirk Laufenburg engagieren sich aktuell 18 Seniorinnen und Senioren in sechs Schulen: Frick, Herznach, Gipf-Oberfrick, Oeschgen, Gansingen und Münchwilen. Mettauertal sei auch schon dabei gewesen, neu mache Zeihen mit, weiss Eveline Dillinger. Im Unteren Fricktal sind an den Schulen Kaiseraugst, Möhlin, Olsberg, Rheinfelden, Wegenstetten-Hellikon und Zuzgen insgesamt 34 freiwillig engagierte Seniorinnen und Senioren im Einsatz.
Gefragt ist Unterstützung vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Eveline Dillinger kennt die verschiedenen Schulen mit ihren unterschiedlichen Kulturen mittlerweile und setzt die Senioren dort ein, wo sie sich die Personen am besten vorstellen kann. «Viele wollen nicht in die Schule ihres Wohnorts, aber gleichzeitig keinen zu grossen Weg zurücklegen», weiss sie und versucht, dies zu berücksichtigen.

«Was zurückkommt, ist unbezahlbar»
Seniorinnen, die sich engagieren, leisten in der Regel vier bis maximal sechs Stunden pro Woche Freiwilligenarbeit in einer Schulklasse. Unbezahlt, versteht sich. Aber was man zurückbekommt, sei unbezahlbar, sind sich Ruth Walde aus Frick und Beatrix Ackle aus Herznach einig. Die beiden 72-Jährigen sind beide an der 2. Oberstufe in Frick tätig. Ruth Walde seit zweieinhalb Jahren jeweils montags, Beatrix Ackle ist seit zwei Jahren dabei und jeweils donnerstags im Zwei-Wochen-Rhythmus engagiert. Und beide bieten ihre Unterstützung im Fach Hauswirtschaft. Es gibt noch weitere Gemeinsamkeiten: Beide sind Mütter von je zwei Kindern und Grossmütter von jeweils zwei Enkelkindern. Während Ruth Walde vor ihrer Pensionierung 23 Jahre lang als Hauspflegerin tätig war und sich im Fach Hauswirtschaft voll in ihrem Element fühlt, war Beatrix Ackle Pflegefachfrau und «nicht so der Kochfreak», wie sie lachend gesteht. Sie sei eher die «Dessertfrau», aber das Fach umfasse ja noch mehr als «nur» kochen und liege auch ihr. Es sei wichtig, den Beruf und besondere Fähigkeiten, die man mitbringe, beim Einsatz in der Schule zu berücksichtigen, betont Eveline Dillinger.

...oder beim Herdgitter schrubben. Fotos: zVgAm Ball bleiben
«Schon als meine Enkel noch regelmässig zu mir zum Essen kamen, fand ich es interessant zu erfahren, was sie bewegt und wie sie ticken. Ich empfinde den Umgang mit Kindern und Jugendlichen als Bereicherung und freue mich jedes Mal auf den Schulmorgen», sagt Ruth Walde, die die Erfahrung gemacht hat, dass Lehrpersonen oft sehr dankbar für die Unterstützung sind. «Es ist spannend, sich immer wieder auf neue Kinder einzulassen, aber gleichzeitig muss man sie am Ende des Schuljahres auch wieder loslassen können. Es ist schön, wenn ehemalige Schüler mit dem Velo an mir vorbeibrausen und rufen ‹Hallo, Frau Walde›.» Mit einem Jungen verstand sie sich vergangenes Schuljahr besonders gut. Bei einer Bewertung schrieb er: «Frau Walde ist sehr nett. Ich liebe Frau Walde!», was sie persönlich sehr berührte.
Auch Beatrix Ackles Motivation war es «am Ball zu bleiben», nachdem sie bis zum Pensionsalter berufstätig gewesen war. «Ich war in der Lehrlingsausbildung tätig und hatte somit viel mit jungen Menschen zu tun. Als ich pensioniert war, fehlte mir etwas.» Viel bewirken könne sie wohl nicht, mutmasst sie. Aber den gegenseitigen Kontakt schätze sie sehr.
Anfang Schuljahr seien die Kinder in der Regel noch etwas zurückhaltend ihnen gegenüber, «aber sie tauen ganz schnell auf», berichten die Seniorinnen übereinstimmend. Beim Essen sitze man dann zusammen am Tisch, und es entstünden interessante Gespräche. «Die jungen Leute erzählen von zu Hause oder ihren Freizeitbeschäftigungen.»
Der Wandel, den sie vom ersten Schuljahr bis zum letzten Tag machen, ist enorm und spannend mitanzusehen, betonen die beiden, die die Wertschätzung von Seiten der Kinder als auch von den Lehrpersonen nicht mehr missen wollten. «Es ist enorm, was die Lehrpersonen leisten, beispielsweise der Umgang mit Allergien, Unverträglichkeiten oder speziellen Essgewohnheiten, und wir sind froh, diese Verantwortung nicht zu haben», betonen sie und können anderen Senioren den Schritt ins Klassenzimmer nur empfehlen: «Es erhält jung.»

«Es ist eine positive Herausforderung»
Eveline Dillinger macht die Erfahrung, dass es bei vielen auf die eigene Schulgeschichte ankommt, ob sie sich auf das Abenteuer «Generationen im Klassenzimmer» einlassen wollen oder nicht. «Wer seine eigene Schulzeit in schlechter Erinnerung hat oder mit dem heutigen Schulsystem bzw. den Erziehungsmethoden hadert, kann sich ein entsprechendes Engagement weniger vorstellen als jemand, der eher positive Gedanken mit seiner Schulzeit verbindet.»
Sowohl Beatrix Ackle als auch Ruth Walde wurden seinerzeit durch eines ihrer Kinder bzw. eine Enkelin auf das Projekt aufmerksam gemacht. Beide wollten auch schon weitere Personen aus ihrem Umfeld motivieren, aber es ist ihnen bisher nicht gelungen, was sie bedauern. «Es ist eine Herausforderung, aber im positiven Sinn», sind sich die beiden einig.

Bilder
Erstes Bild: Sie sind überzeugt vom Konzept des Projekts «Generationen im Klassenzimmer»: Beatrix Ackle, Susanne Siebenhaar, Eveline Dillinger und Ruth Walde (von links). Foto: Sonja Fasler
Zweites und drittes Bild: Auch Spass muss während des Unterrichts sein, sei es beim Küchentücher falten oder beim Herdgitter schrubben. Fotos: zVg