(fim) Nach zweijähriger Unterbrechung konnte der Erntedank-Gottesdienst der Kirchen im Wegenstettertal am Sonntag wieder auf dem Dornhof der Familie Sacher in Zuzgen gefeiert werden.
In der zur Kirche umgestalteten Maschinenhalle versammelten sich die zahlreichen Teilnehmenden zu einer ökumenischen Feier, die von Dankbarkeit, Zuversicht und einer bewusst fröhlichen Note geprägt war. Dafür sorgte das ökumenische Team mit dem christkatholischen Pfarrer Stefan Feldhaus, dem neuen römisch-katholischen Priester Ozioma Nwachutwu und dem reformierten Kirchenpfleger Roger Leuenberger.
Ein schwieriges Erntejahr hinterlässt Spuren
Dass es neben aller Freude auch Grund zur Sorge gibt, wurde bereits zu Beginn des Gottesdienstes deutlich. Urs Schlienger aus Hellikon, Landwirt und Präsident der christkatholischen Kirchgemeinde, schilderte die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit für die Landwirtschaft. Für manche Betriebe seien die Auswirkungen existenzbedrohend. So hätten einzelne Bauern wegen Futtermangels ihre Milchkühe zur Schlachtung bringen müssen. Auch das kommende Jahr könnte für viele Landwirtschaftsbetriebe schwierig werden.
Diese Sorgen sollten im Gottesdienst nicht ausgeblendet werden. Vielmehr gehörten sie ebenso zum Erntedank wie die Freude über das, was gewachsen ist. Die Kollekte der ökumenischen Feier kommt deshalb dem bäuerlichen Sorgentelefon zugute – einer Anlaufstelle für Menschen aus der Landwirtschaft, die Unterstützung benötigen.
Ein biblischer Auftrag zur Freude
In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Stefan Feldhaus an das siebentägige Laubhüttenfest, das im fünften Buch Mose vorgeschrieben wird. Das Fest erinnert an die Zeit, in der das Volk Israel während seiner Wüstenwanderung in einfachen Behausungen lebte. Zugleich ist es ein Fest der Dankbarkeit für die Ernte und für Gottes Fürsorge. Die biblische Aufforderung ist dabei unmissverständlich: «Ihr sollt fröhlich sein.» Diese Freude sei gerade angesichts schwieriger Zeiten wichtig, betonte Feldhaus, der seit diesem Jahr auch die Mitglieder der christkatholischen Kirche im Wegenstettertal betreut. Er verwies auf den Philosophen Friedrich Nietzsche, der einst sinngemäss bemerkte, Christen müssten glaubwürdiger wirken, wenn sie fröhlicher wären. Feldhaus ermutigte die Anwesenden deshalb zu einer zuversichtlichen Haltung: «Für Christen sollte das Glas immer halb voll und nicht halb leer sein.»
Die Botschaft passte zum Charakter des Gottesdienstes: Dankbarkeit bedeutet nicht, Sorgen zu übersehen. Sie kann vielmehr helfen, trotz schwieriger Umstände Hoffnung zu bewahren. Das Dankgebet und die Segnung der mitgebrachten Erntegaben gaben dieser Haltung einen sichtbaren Ausdruck.
Musik, die Freude weckt
Einen wesentlichen Beitrag zur fröhlichen Stimmung leistete das Harmonikaorchester Möhlin unter der engagierten Leitung von David Meyer. Mit seiner Musik verlieh es der Feier eine beschwingte Note. Auch nach dem Gottesdienst spielte das Orchester ein kurzes Konzert, das die Anwesenden mit kräftigem Applaus verdankten. Beim anschliessenden Apéro klang die Begegnung in gemütlicher Atmosphäre aus. Die Apérogruppe der katholischen Kirchgemeinde Zuzgen hatte die Köstlichkeiten vorbereitet, dazu wurden Wein und frischer Apfelsaft serviert. Dankbar nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zum geselligen Beisammensein.
So verband der Erntedank-Gottesdienst auf dem Dornhof zwei Erfahrungen, die zum Leben auf dem Land gehören: die Sorge um das, was die Zukunft bringt, und die Freude über das, was trotz allem geschenkt wird. Gerade in einem schwierigen Erntejahr wurde deutlich, dass Dankbarkeit und Fröhlichkeit nicht bedeuten, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschliessen. Sie können vielmehr Kraft geben, den Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.