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Marianne Sprenger (links) und Nadine Blaser organisieren zum zweiten Mal die Änismodelbörse. Foto: Sonja Fasler
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Alte Model, neue Liebe – Marianne Sprenger und Nadine Blaser organisieren in Wintersingen eine Änismodel-Börse

Kaum ein Weihnachtsguezli kommt mit so wenigen Zutaten aus wie das Änisbrötli, und keines gibt es in so vielen Variationen – und definitiv kein anderes sorgt für so viel Gesprächsstoff. Am 13. November wird Wintersingen wieder zum Treffpunkt für Änismodel-Fans und solche, die es noch werden wollen.

SONJA FASLER

Änisbrötli in Perfektion von Marianne Sprenger gebacken. Foto: Sonja FaslerMarianne Sprenger und Nadine Blaser aus Wintersingen verbindet die gemeinsame Leidenschaft fürs Änisbrötli-Backen. Beide haben eine stattliche Sammlung von Modeln zu Hause, die sie immer mal wieder aufstocken. «Den Ausschlag, eine Börse zu veranstalten, gab, dass der bekannte Änismodelhersteller Linus Feller vom Änisparadies in Niedergösgen vorletztes Jahr mangels Nachfolger seinen Betrieb einstellte», erzählt Nadine Blaser. Er verkaufte jeweils Model auf Märkten, womit ein Aufstocken der Sammlung kein Problem war. «Unsere Idee war nun, Änismodeln aus alten Beständen ein neues Leben zu schenken.» Sie stellten nämlich fest, dass viele Model irgendwo auf einem Estrich oder im Keller ein kümmerliches Dasein fristen, nicht mehr in Gebrauch sind und schlimmstenfalls irgendwann im Abfall landen.

Jedes Model wird einzeln verpackt und beschriftet. Foto: Sonja Fasler5 bis 12 Franken pro Model
Erfreulicherweise sorgte Linus Feller, der immer noch über das Internet Model und Zubehör verkauft, für das nötige «Startkapital», indem er den beiden Initiantinnen eine stattliche Anzahl an Modeln schenkte. Auf einen Aufruf hin wurden tatsächlich zahlreiche weitere Model von Privatpersonen für die Börse abgegeben, sodass gegen 200 zusammenkamen. In stundenlanger Arbeit wurden die guten Stücke einzeln hübsch in Plastiktüten abgepackt, fein säuberlich nummeriert und mit dem Namen der Besitzerin sowie dem Wunschpreis versehen. Als Richtpreis empfehlen die Veranstalterinnen 5 bis 12 Franken. «Besonders exklusive Model können natürlich teurer angeboten werden», betont Nadine Blaser, ergänzt aber, dass zu teure Model eher liegen bleiben, was ja nicht Sinn der Sache sei.

Zu ihrer Überraschung wurde die erste Börse vergangenes Jahr regelrecht überrannt, vor allem von Frauen aus dem Oberbaselbiet. Diese positive Resonanz und der Umstand, dass im Nachhinein viele Leute sagten, sie wären auch gerne gekommen, bewogen Marianne Sprenger und Nadine Blaser, die Börse heuer wieder zu veranstalten. Der Aufruf wurde etwas breiter gestreut, und siehe da: Es kamen bereits mehr Model zusammen, als es letztes Jahr waren, darunter drei bis vier grössere Sammlungen. Und gerne dürfen weitere abgegeben werden. «Unbedingt im Vorfeld, denn an der Börse haben wir keine Zeit, noch Ware entgegenzunehmen», betonen die beiden. Was nicht verkauft oder getauscht wird, geht zusammen mit dem Erlös an die jeweiligen Besitzerinnen zurück.

Nicht nur für Weihnachten
An der Börse werden mannigfaltige Stücke gehandelt. Die meisten alten Model sind aus Holz. Birnenholz eignet sich besonders, da es hart ist, kaum splittert und formstabil ist. Es gibt aber auch Model aus Ton. Heutige Holzmodel werden meist mithilfe von Fräsen hergestellt oder in Kunstharz gegossen. Und es gibt sie in Hunderten von Motiven, die längst nicht nur mit Weihnachten zu tun haben. Nebst Engeln, Sternen, Samichlaus oder Krippe finden sich auch Blumen, Tiere, Ornamente, Motive zum Thema Musik, Liebe und viele mehr. Je nach Region werden die Änisbrötli auch Springerli genannt, im süddeutschen Raum sind es Springerle. Chräbeli werden übrigens aus dem gleichen Teig hergestellt, aber es braucht keine Model dafür. Für sie wird der Teig fingerdick gerollt, in Stücke geschnitten und eingekerbt.

Das Geheimrezept, das keines ist
Marianne Sprenger betont, dass sie das feine Guetzli das ganze Jahr hindurch immer mal wieder backt. «Sie ist eine Koryphäe in Sachen Änisbrötli», sagt Nadine Blaser bewundernd. Sie backe auch gerne Änisbrötli, aber an die von Marianne kämen sie nicht heran, gibt sie neidlos zu. Da wird man natürlich schon mal neugierig auf das Geheimrezept von Marianne Sprenger. «Überhaupt kein Geheimnis», sagt diese lachend. «Vier mittelgrosse Eier, 500 Gramm Puderzucker und eineinhalb Esslöffel Änis während zehn Minuten schaumig rühren, dann 500 Gramm Weizenmehl dazusieben, nochmals rühren und dann, mit einem feuchten Tuch bedeckt, zehn Minuten ruhen lassen. Dann den Teig einen Zentimeter dick auswallen, die Formen ausstechen, auf ein Blech legen und bei Zimmertemperatur 24 Stunden trocknen lassen. Am Rand sollten die Brötli angetrocknet sein. Dann bei 140 Grad ca. 20 Minuten bei Umluft backen, auskühlen lassen und fertig.» Ein paar Tricks hat Marianne Sprenger dann doch noch. Zum Beispiel müssen die Eier Zimmertemperatur haben. Und beim Puderzucker schwört sie auf den eines bestimmten Grossverteilers. Ganz gewöhnliches Weizenmehl gibt ihrer Meinung nach das beste Ergebnis. Versuche mit Dinkelmehl waren nicht befriedigend. Auf die Beigabe von Kirsch verzichtet sie ganz. Viele Hobbybäckerinnen schwören darauf, die Änisbrötli beim Trocknen vor Zugluft zu schützen, weil sie sonst einseitig aufgehen, doch Marianne Sprenger teilt diese Erfahrung nicht. Aber jede habe ihre eigenen Kniffe, meint sie schmunzelnd.

Ein besonders altes Exemplar aus Ton. Foto: Sonja Fasler«Änisbrötli backen hat etwas Meditatives»
Das Ergebnis gibt Marianne Sprenger jedenfalls recht: Das Motiv ist auf ihren Änisbrötli perfekt abgebildet, sie haben die gewünschten Füsschen, den perfekten Biss und schmecken himmlisch. Wichtig sei, dass man sich genug Zeit nehme, den Teig liebevoll behandle und die Motive möglichst eng nebeneinander aussteche, um nicht unnötig oft zu kneten. «Änisbrötli backen hat etwas Meditatives», sind sich die Frauen einig, die beide ein besonderes Faible für Tiermotive haben. Marianne Sprenger und Nadine Blaser hoffen, dass noch möglichst viele Model abgegeben werden, damit die Auswahl am 13. November entsprechend gross ist.

Eine Philosophie für sich
Die Börse findet von 16 bis 19 Uhr statt. Und wer sich mit neuen Modeln eingedeckt hat, kann in der angegliederten Kaffeestube mit Gleichgesinnten über das perfekte Änisbrötli philosophieren. Denn Änisbrötli backen ist eine Wissenschaft für sich. In der Kaffeestube sei letztes Jahr noch lange darüber diskutiert worden, wie es wohl am besten gelinge, erzählen die beiden lachend. Nicht nur die erwähnte Zugluft sei ein Thema, sondern auch, ob man die Änisbrötli auf ein gefettetes Backblech oder auf Backpapier legen soll, ob die Eier exakt gewogen werden müssen, die Feinheit des Puderzuckers einen Einfluss hat oder man das Mehl direkt von der Mühle beziehen sollte. Es gibt dazu sogar ein Gedicht, das folgendermassen beginnt: «All Johr goht's gege d Wiehnacht zu, hei alli Fraue d Händ voll ztue und vo dene ville Sache s'wichtigscht s'Wiehnachtsgutzli mache. S' git alti Sorte und au neus, doch unter all dem süsse Gschmäus isch eis, wo villne Müehi macht, es isch die reinschti Wisseschaft, das tusigs Aenisbrötli …». Von wem die Zeilen genau stammen, ist nicht überliefert. Offenbar liegen ihre Ursprünge in Gelterkinden. Das ganze Gedicht finden Sie am Schluss dieses Artikel.

Änisbrötli-Backnachwuchs?
Nun hoffen Marianne Sprenger und Nadine Blaser, dass sie an den Erfolg vom vergangenen Jahr anknüpfen können und am 13. November möglichst viele Leute zur Änismodel-Börse nach Wintersingen kommen. Besonders freuen würde sie, wenn auch jüngere Personen vorbeikommen würden und dem Zauber des Änisbrötli-Backens verfallen.
Die Änismodelbörse findet am Freitag, 13. November, von 16 bis 19 Uhr im Kulturlokal Schüüre 70 an der Hauptstrasse 70 statt. Wer im Vorfeld noch Model abgeben möchte, kann sich bei Marianne Sprenger (Tel. 079 663 87 00) oder Nadine Blaser (Tel. 079 598 63 62) melden.

ÄNISBROETLI
All Johr goht's gege d Wiehnacht zu hei alli Fraue d Händ voll ztue, und vo dene ville Sache s wichtigscht s Wiehnachtsgutzli mache.
S git alti Sorte und au neus, doch unter all dem süsse Gschmäus isch eis, wo villne Müehi macht, es isch die reinschti Wisseschaft, das tusigs Änisbrötli!
Chasch wo de wit jetzt ane goh, gsehsch Fraue binenander stoh, und ghörsch an alle Orte die Frog, wie sy si worde?
Die einti rühmt, si heigs jetz duss, sig gar nit soo ä härti Nuss, müess s numme richtig mache es ligg elai am Bache.
Ä anderli meint, d Hauptsach sigs Mähl vom z'junge werde si gern gähl, s'müess alt si für die Brötli, süscht gäb's gern Änistörtli.
Die dritti het d Erfahrig gmacht, der Teig well zweumol ruhjä znacht, süscht werde d Härzli gern chli chrumm und düje süscht bim Bache dumm.
Der vierte chunnt's uf d Förmli a, öb me das Kunstwerk zeige cha, öb d Eier früsch, öb zgross, öb zchly, das müessi halt verstande sy.
Was mi die Gutzlerei goht a, das möchti do nit gschriebe ha. Dene Fraue, wo si all Johr grote, ghörti gwüss emol e Orde.
I frog mi jetz und alli Johr, ob übertriebe oder wohr, was hätte d Fraue ächt au z brichte ohni Änisbrötli-Gschichte?

Öb mit Füessli höch, breit oder chrumm, oder vom Beck, wills mängere zdumm.
I mein, s Bescht isch, mä tuet sä ganz gschwind ässe und wieder für es Johr vergässe.
E.M.Gelterkinden

Bilder: 
1. Bild: Marianne Sprenger (links) und Nadine Blaser organisieren zum zweiten Mal die Änismodelbörse. Foto: Sonja Fasler
2. Bild: Änisbrötli in Perfektion von Marianne Sprenger gebacken. Foto: Sonja Fasler
3. Bild: Jedes Model wird einzeln verpackt und beschriftet. Foto: Sonja Fasler
4. Bild: Ein besonders altes Exemplar aus Ton.Foto: Sonja Fasler