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Tom Steiner heisst Laura Klingenberg im Namen der Kirchenpflege willkommen.
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«Wir sind unterschiedliche Teile eines grossen Ganzen»

(af) Am Sonntag, 13. September, ist Laura Klingenberg in einem festlichen Gottesdienst in der reformierten Kirche Rheinfelden als neue Pfarrerin eingesetzt worden. Thema war der biblische Gedanke vom einen Leib und den vielen Gliedern.

Sie freue sich, mit der Gemeinde als Hand, Fuss, Kopf, Auge, Darm, Ohrläppchen und Achillessehne unterwegs zu sein, sagte die zu installierende Pfarrerin in ihrer launigen Begrüssungsrede. Dann erklärte sie den merkwürdigen Ausdruck «Installation». Es handle sich gemäss Duden eigentlich um einen Begriff aus dem technischen Bereich. Installiert werden elektrische Leitungen, Lüftungen, sanitäre Anlagen – eine Installation sei also genuin nichts Kirchliches. Als Nebenbedeutung erwähne der Duden aber noch «Einsetzung in ein geistliches Amt», mit der Bemerkung, das sei «schweizerisch, sonst veraltet».

Pfarrerin Noemi Breda, Vorsitzende des Dekanats Brugg, zu dem die reformierte Kirchgemeinde Region Rheinfelden gehört, nahm das Motiv der Körperteile auf. Als Pfarrerin, sagte sie, müsse man Ohr sein, wenn einem jemand etwas anvertraut. Hand, wenn es anzupacken gilt. Füsse, wenn man einen Schritt auf jemanden zu machen will. Mund, wenn man predige. «Und», fuhr Breda fort, «im Pfarramt braucht es manchmal auch breite Schultern, gutes Sitzfleisch, eine dicke Haut. Und dann wieder eine ganz dünne, feinfühlige».

Flötenexperiment

Laura Klingenberg und Dekanin Noemi BredaDann nahm sie Laura Klingenberg das Installationsgelöbnis ab: «Ich gelobe vor Gott und den Menschen, das mir anvertraute Amt als Pfarrerin dieser Kirchgemeinde auf Grund des Evangeliums von Jesus Christus gewissenhaft zu erfüllen und verspreche, dabei die Ordnung der Evangelisch-Reformierten Landeskirche des Kantons Aargau zu beachten.» Schliesslich segnete sie die junge Kollegin und nahm auch die Gemeinde in die Pflicht: Es gelte, der frisch eingesetzten Pfarrerin in ihrer Aufgabe beizustehen und auch für sie zu beten.

Drei Flöte spielende PfarrerDer Akt der Einsetzung klang in einer grossen Überraschung aus: Laura Klingenberg spielte gemeinsam mit ihren ebenfalls ganz jungen Pfarrkollegen Felix Berki und Jonas Meier ein Querflötentrio. Sie seien durch den Präsidenten der Kirchenpflege, Roland Arnold, dazu ermutigt worden, Neues zu wagen, sagte Klingenberg in den langanhaltenden Applaus hinein und fuhr heiter fort: «Früher war ich vor Predigten jeweils nervös; doch die Nervosität vor dem Flötenexperiment war erheblich grösser.»

In ihrer Kanzelrede stellte Klingenberg das Thema der Körperteile in einen grösseren Zusammenhang. Es leitet sich ab von einem zentralen Text des Neuens Testaments, der vom einen Leib und den vielen Gliedern handelt: «Wie der Körper eine Einheit ist und doch viele Teile hat, alle Teile des Körpers also die Einheit des Körpers ausmachen, so verhält es sich auch mit Christus», sagt der Apostel Paulus im Ersten Koritherbrief (1. Kor. 12).

Die Fabel vom faulen Magen

Laura Klingenberg bei ihrer interaktiven PredigtKlingenberg liess die Anwesenden auf Zettel schreiben, als welchen Körperteil sie sich selber sehen. Dann ging sie durch die Reihen und las die Worte laut vor. Sie skizzierte das multikulturelle Leben in der griechischen Hafenstadt Korinth in der Antike, verwies auf eine Fabel, die Paulus mutmasslich zu seinem Text inspiriert hatte: Einst rebellierten Hände, Mund und Zähne gegen den Magen, der ihrer Meinung nach faul war, und stellten ihre eigenen Aktivitäten. Doch dann merkten sie, dass ihre Arbeitsverweigerung nicht nur dem Magen schadet, sondern dem ganzen Leib und auch ihnen selbst.

Als Essenz der Botschaft von Paulus destillierte Klingenberg die Sätze heraus: «In Christus seid ihr alle gleich! Ihr alle seid wichtig, unterschiedliche Körperteile eines grossen Ganzen! Seid also solidarisch und unterstützt einander!» Diese Essenz gelte auch heute noch, schloss Pfarrerin Klingenberg und stellte den Anwesenden die Frage: «Was für ein Geschenk, was für eine Gabe tragen Sie in sich für unsere Gemeinde, für unsere Welt?»

Es war eine packende Predigt; eine konzentrierte Stille breitete sich aus im Raum, die anhielt während des anschliessenden Musikstücks: Ein Frauenquartett mit Nina Haugen, Orgel, Gry Elisabeth Knudsen, Sopran, Mareike Wormsbächer, Violine, und Elisa Siber, Violoncello, spielte eine Vertonung des Gedichts des deutschen Pfarrers und Dichters Eduard Mörike (1804-1875): «Herr! schicke, was du willt, / Ein Liebes oder Leides; / Ich bin vergnügt, dass Beides / Aus Deinen Händen quillt.»

«Die Tore stehen offen, die Herzen noch viel mehr»

Kurz darauf folgte die nächste musikalische Darbietung. Ein Chor von sechzehn Sängerinnen und Sängern, bestehend aus Mitarbeitenden und Mitgliedern der Kirchenpflege, sang eine Umdichtung des Kirchenlieds «Vertraut den neuen Wegen»:

«Vertrau den neuen Wegen, / Laura, wir freun uns sehr!
Fürs Städtli ists ein Segen: / Du fandtst den Weg hierher.
Die Tore stehen offen, / Die Herzen noch viel mehr,
Und alle, alle hoffen, /dass dieser Ort dir Glück bescher.»

Am Schluss des Lieds wurde, mit einem Augenzwinkern, noch einmal Bezug genommen auf das Thema, welches sich durch den ganzen Gottesdienst zog:

«Vertrau, wir wollens wagen; / Das wird ne tolle Zeit!
Ohrläppchen, Fuss und Magen – / Sie alle sind bereit.»

Tom Steiner, stellvertretender Präsident der Kirchenpflege, überreichte Laura Klingenberg mit warmen Willkommensworten ein Olivenbäumchen, das Frauenquartett trug zum Ausgang «Gottes Segen leite euch» von Johann Sebastian Bach vor. Draussen machten die meisten Gottesdienstbesuchenden rechtsum kehrt und gingen in den Anbau der Kirche, wo Zogo Erdenebat und seine Mitarbeiter vom Restaurant «Sole & Sar» einen Apéro Riche mit Momos, Falafel und vielen anderen Köstlichkeiten bereitgestellt hatten.

Bild 1: Tom Steiner heisst Laura Klingenberg im Namen der Kirchenpflege willkommen.
Bild 2: Laura Klingenberg und Dekanin Noemi Breda
Bild 3: Drei Flöte spielende Pfarrer
Bild 4: Laura Klingenberg bei ihrer interaktiven Predigt
Fotos: Klaus-Christian Hirte, zVg
Text: Andreas Fischer (reformierter Pfarrer in Kaiseraugst)