(eing.) Wenn es dunkel wird, erwacht im «Chräbsebächli» eine faszinierende Unterwasserwelt. Bei einer nächtlichen Exkursion des Natur- und Vogelschutzvereins Rheinfelden (NVR) entdeckten Naturinteressierte aus Magden und Rheinfelden zahlreiche junge Dohlenkrebse. Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, wie wertvoll, aber auch verletzlich unsere heimischen Gewässer und ihre Bewohner sind.
Am Donnerstagabend, 15. Oktober, lud der NVR im Rahmen seines 100-Jahr-Jubiläums zu einer besonderen Naturbegegnung ein. Unter der fachkundigen Leitung des lokalen Flusskrebsexperten Raphael Krieg begaben sich die Teilnehmenden nach Einbruch der Dunkelheit auf die Suche nach den heimischen Scherenträgern.
Zahlreiche Jungkrebse im Schein der Taschenlampen
Ausgerüstet mit Taschenlampen, erkundete die Gruppe den Dohlenkrebsbestand im «Chräbsebächli» in Magden. Mit Erfolg: Zahlreiche Jungkrebse konnten im Wasser entdeckt und beobachtet werden. Die Funde zeigten, dass sich die Tiere in diesem Gewässer fortpflanzen – eine erfreuliche Beobachtung für den lokalen Artenschutz. Raphael Krieg vermittelte den Teilnehmenden spannende Einblicke in die Lebensweise und Biologie der Flusskrebse. Die nachtaktiven Tiere übernehmen wichtige Funktionen im Ökosystem der Fliessgewässer, bleiben aber für die meisten Menschen weitgehend unsichtbar.
Trockenheit als zusätzliche Bedrohung
Neben den faszinierenden Beobachtungen stand auch die Gefährdung der einheimischen Flusskrebse im Mittelpunkt. Denn ihre Lebensräume sind zunehmend unter Druck. Besonders die Trockenheit stellt eine Herausforderung dar. Sinkende Wasserstände und zeitweise austrocknende Bachabschnitte können die Bestände erheblich gefährden. Hinzu kommen Veränderungen der Gewässerlebensräume, Gewässerverschmutzung sowie die Konkurrenz durch invasive, nicht einheimische Krebsarten und die von ihnen übertragbare Krebspest. Die Exkursion verdeutlichte, wie wichtig intakte, naturnahe und ausreichend wasserführende Bäche für den langfristigen Erhalt unserer heimischen Artenvielfalt sind.
Naturschutz beginnt vor der eigenen Haustür
Mit Veranstaltungen wie dieser möchte der NVR die Bevölkerung für die oft verborgenen Naturschätze der Region sensibilisieren und das Verständnis für ökologische Zusammenhänge stärken. «Die zahlreichen Jungkrebse zu entdecken, war ein besonderes Erlebnis. Gleichzeitig wurde deutlich, wie verletzlich diese Lebensräume sind. Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden müssen wir unseren kleinen Fliessgewässern und ihren Bewohnern mehr Aufmerksamkeit schenken. Naturschutz beginnt direkt vor unserer Haustür», hält der NVR fest. Der Verein dankt Raphael Krieg herzlich für seine engagierte und fachkundige Führung sowie allen Teilnehmenden aus Magden und Rheinfelden für ihr grosses Interesse.
100 Jahre Engagement für die Natur
2026 feiert der Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden sein 100-jähriges Bestehen. Seit einem Jahrhundert engagiert sich der Verein für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, die Förderung der Biodiversität und die Sensibilisierung der Bevölkerung. Die nächtliche Flusskrebsexkursion war ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Naturwissen, unmittelbares Erleben und konkrete Anliegen des Artenschutzes miteinander verbinden lassen.