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Die Rheinfelder Grossrätin Béa Bieber reicht Vorstoss zur Gleichstellung ein

(eing.) Die Rheinfelder GLP-Grossrätin Béa Bieber hat heute im Grossen Rat eine Interpellation eingereicht. Sie thematisiert die Gleichstellung als Standortfaktor und stellt Fragen zur Fachkräftesicherung, Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Angehörigenpflege sowie zur geschlechtsspezifischen Berufswahl und Geschlechtervielfalt in Bildungsberufen. Nachfolgend der Vorstoss im Wortlaut: 

Die «Aargauer Zahlen 2026» weisen auf mehrere Entwicklungen hin, die für die langfristige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Kantons von grosser Bedeutung sind. Die Bevölkerung des Kantons Aargau wächst weiter und zählt Ende 2025 rund 744'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Das Wachstum wird dabei vor allem durch Wanderungsgewinne getragen. Gleichzeitig steigt der Anteil älterer Menschen kontinuierlich an. Der Altersquotient liegt inzwischen bei 32,3 Personen über 65 Jahren pro 100 Personen im Erwerbsalter.
Die Zahlen zeigen zudem eine weiterhin ausgeprägte geschlechtsspezifische Segregation in Ausbildung und Beruf. Während Frauen in Bildungs-, Gesundheits- und Sozialberufendeutlich übervertreten sind, dominieren Männer nach wie vor technische und gewerbliche Berufsfelder. Besonders auffällig ist der sehr geringe Männeranteil auf Kindergarten- und Primarstufe.

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels, des demografischen Wandels und des steigenden Bedarfs an Betreuungs- und Pflegeleistungen stellen sich wichtige Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zur besseren Ausschöpfung des Fachkräftepotenzials von Frauen und Männern. Eine moderne Gleichstellungspolitik ist nicht nur eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Sie leistet auch einen Beitrag zur Fachkräftesicherung, zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und zur Lebensqualität von Familien. Der demografische Wandel macht deutlich, dass die bessere Nutzung vorhandener Potenziale von Frauen und Männern zunehmend zu einem Standortfaktor für den Kanton Aargau wird.

Der Regierungsrat wird deshalb um die Beantwortung folgender Fragen gebeten: 1. Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Angehörigenpflege
1. Wie beurteilt der Regierungsrat die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, Familienarbeit und Angehörigenpflege im Kanton Aargau?
2. Welche Erkenntnisse liegen dem Regierungsrat über den Zusammenhang zwischen Betreuungs- und Pflegeaufgaben innerhalb von Familien und der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern vor?
3. In welchem Ausmass sieht der Regierungsrat in familienergänzender Kinderbetreuung sowie in der Entlastung pflegender Angehöriger einen Beitrag zur Fachkräftesicherung?
4. Welche kantonalen Massnahmen bestehen heute zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Angehörigenpflege und wie beurteilt der Regierungsrat deren Wirksamkeit?
5. Wo sieht der Regierungsrat in den kommenden zehn Jahren den grössten Handlungsbedarf?

1. Geschlechtersegregation in Ausbildung und Beruf
Die Bildungsstatistik zeigt weiterhin deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Berufswahl. Frauen konzentrieren sich stark auf kaufmännische, soziale und Gesundheitsberufe, während Männer technische und gewerbliche Berufe dominieren.
6. Wie beurteilt der Regierungsrat diese Entwicklung im Hinblick auf Chancengerechtigkeit und Fachkräftesicherung?
7. Welche Massnahmen bestehen heute, um Mädchen für MINT-Berufe sowie Jungen für Gesundheits-, Sozial- und Betreuungsberufe zu gewinnen?
8. Werden die Wirkungen dieser Massnahmen systematisch erfasst und ausgewertet?
9. Welche zusätzlichen Potenziale sieht der Regierungsrat in einer breiteren Berufswahl jenseits traditioneller Geschlechterrollen?
10. Welche Zielsetzungen verfolgt der Regierungsrat in diesem Bereich?

2. Geschlechtervielfalt in Bildungs- und Betreuungsberufen
Gemäss den «Aargauer Zahlen 2026» sind an den Volksschulen rund 80 Prozent der Lehrpersonen Frauen. Im Kindergarten sind Männer kaum vertreten.
11. Wie beurteilt der Regierungsrat diese Entwicklung aus Sicht der Bildungs- und Gleichstellungspolitik?
12. Welche Ursachen werden für den sehr tiefen Männeranteil in Kindergarten und Primarschule identifiziert?
13. Welche Massnahmen werden geprüft oder umgesetzt, um mehr Männer für pädagogische und betreuende Berufe zu gewinnen?
14. Welche Bedeutung misst der Regierungsrat einer ausgewogenen Geschlechtervertretung bei Lehr- und Betreuungspersonen für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei?
15. Welche Erfahrungen aus anderen Kantonen oder aus dem Ausland erscheinen dem Regierungsrat in diesem Zusammenhang besonders vielversprechend?