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Patti Basler ist seit vielen Jahren als Bühnenpoetin, Kabarettistin, Satirikerin, Comedienne und Autorin national und international erfolgreich. Foto: Raphaela Graf
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Mit Humor von Steinzeit bis Postmoderne: Das Comedy-Duo Patti Basler und Philippe Kuhn tritt am 15. Oktober in Möhlin auf

Die gebürtige Fricktaler Satirikerin, Kabarettistin und Autorin Patti Basler erobert seit zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Bühnenpartner, dem erfolgreichen Jazzpianisten, Komponisten und Produzenten Philippe Kuhn, nationale und internationale Bühnen. Am 15. Oktober werden die Comedienne und der Musiker ihr brandneues abendfüllendes Programm «Postmodern Talking» im SteinliChäller in Möhlin präsentieren.

LILIA STAIGER

Patti Basler und Philippe Kuhn stehen seit zehn Jahren erfolgreich zusammen auf der Bühne. Foto: Ellen MathysDie Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Sekundarlehrerin wurde unter anderem 2019 mit dem renommierten Kleinkunstpreis Salzburger Stier und dem Prix Walo sowie 2024 gemeinsam mit Philippe Kuhn mit dem Swiss-Comedy-Award-Hauptpreis für ihr Programm «L¨CKE» ausgezeichnet. Patti Basler erhielt ausserdem 2022 die Auszeichnung als «Kolumnistin des Jahres». Im Interview mit fricktal.info geben die beiden unter anderem Einblicke in ihr neues Programm, sprechen über Texte und Musik, über ihre Kindheit auf dem Land, über Modern Talking, die Postmoderne und das «ag»-Prinzip.

fricktal.info: Ihr steht seit 2016 gemeinsam auf der Bühne. Warum funktioniert eure «eingetragene Bühnenpartnerschaft», wie ihr sie nennst, so gut?
Patti Basler: Wir sind beide sowohl chaotisch als auch perfektionistisch, da muss man tolerant sein. Und Philippe ist inzwischen ein richtig guter Kabarettist geworden, der Textpassagen spielt, die ich ihm in den Mund lege.
Philippe Kuhn: Wir haben einen ähnlichen Humor. Das ist wichtig. Patti kann zwar noch immer kein Instrument spielen, aber sie singt inzwischen immer öfter auf der Bühne und schafft auch schwierigere Melodien, welche ich ihr auf den Leib komponiere.
Wer von euch ist der Publikumsliebling?
Philippe Kuhn: Natürlich Patti, die Leute kommen ja ihretwegen.
Patti Basler: Natürlich Philippe, die Leute bleiben seinetwegen.

Euer neues Programm heisst «Postmodern Talking». Worum geht es darin und was hat euch dazu inspiriert?
Philippe Kuhn: Wir sind musikalisch Kinder der 1980er- und 1990er-Jahre. Mein Lieblingshit als Kind war «Life is Life». Modern Talking ist uns natürlich ein Begriff. Dieter Bohlen war offensichtlich ein Prophet. Der Hit «Brother Louie» hat eine bekannte Hookline mit drei Noten. Diese drei Noten sind: A F D.
Patti Basler: Auch buchstäblich gibt der Titel einiges her. POST mODERn TALKING steht für die Entscheidung: «Schreiben oder telefonieren?»; heute ein grosses Thema im Alltag. pOST mODERn talKING, also «Ost oder King», übersetzt sich als «Putin oder Trump». Politisch sehr aktuell. Das ganze Leben ist ja immer eine Auswahl, ein Wettbewerb: Ein Wettbewerb der Gene, ein Wettbewerb der eigenen Entscheidungen und ein Wettbewerb von gesellschaftlichen Ideen.

Was hat das mit dem Begriff Postmoderne zu tun?
Philippe Kuhn: Die Postmoderne ist eine Zeit, in welcher alles möglich erscheint, alles erlaubt ist, «anything goes», «ag», das AG-Prinzip. Wie die Aargauer beim Autofahren.
Patti Basler: Hier im Fricktal lernen wir zuerst Traktor fahren. Oder Töffli. In der Modern-Talking-Zeit war das Puch Maxi oft besser frisiert als die Person, welche es fuhr.

Kabarettistin Patti Basler und Musiker Philippe Kuhn kommen am 15. Oktober mit ihrem neuen Programm «Postmodern Talking» nach Möhlin. Foto: Ellen MathysWelche Rolle spielt die Musik?
Patti Basler: Wir haben bei diesem Stück bewusst zuerst die Songs geschrieben. Sie sind ein wichtiger Part. Meine Lieblingssongs sind ein Blues und ein Hip-Hop-Song. Beim Blues singt Philippe über die psychischen Probleme von Walterli Tell, Wilhelm Tells Sohn. Beim Hip-Hop singe ich über die Probleme eines jungen Mannes in der heutigen Zeit. Ein Kreis, der sich schliesst.
Philippe Kuhn: Die Musik kann Emotionen auf einer anderen Ebene vermitteln. Als musikalische Referenz zu Modern Talking spiele ich die Keytar, ein Instrument zwischen Keyboard und E-Gitarre. Das hat Comedy-Potenzial und macht Spass auf der Bühne.
Patti Basler: Dass meine Texte und Philippes präzis komponierte Musik zusammenpassen, ist immer eine Herausforderung.
Philippe Kuhn: Die Challenge ist, Songs so zu kreieren, dass sie die richtige Wirkung erzielen.

Patti, du bist für deine scharfe Zunge und deinen Sarkasmus bekannt. Gibt es ein Thema, bei dem es selbst dir die Sprache verschlägt?
Patti Basler: Ich möchte nicht nach unten treten. Auf Menschen, die es ohnehin schwer haben, soll man nicht noch herumtrampeln. Das heisst aber nicht, dass sie nicht vorkommen. Im Gegenteil. Humor ist eine Kunstform. Alles Menschliche, alles Relevante soll damit künstlerisch verarbeitet werden. Dabei geht es nicht ums Auslachen. Sondern dem Unvermeidbaren, dem Schmerz der Welt, dem Krieg, dem Wahnsinn, dem Tod mit einem Lachen entgegenzutreten. Humor ist Notwehr und Rettungsanker.

Für «L¨CKE» habt ihr den Swiss Comedy Preis erhalten. Was ist euer Lieblingspart in «L¨CKE» und gibt es eine Lücke in eurem Leben, die ihr schliessen wollt?
Philippe Kuhn: Die Erinnerungslücken sind bereits gross. Worum ging es schon wieder im letzten Stück?
Patti Basler: Ich habe es auch vergessen. Es gab eine Passage, in der ich Hobby-Horsing betrieb. Stecken-pferdreiten. Darin spielte ich das Vreni von Hellikon im reinsten Unterfricktalienisch.
Philippe Kuhn: Es war sehr tierisch satirisch. Du hast vom Bauernhof erzählt und Kalbereien gemacht.
Patti Basler: Richtig. Ich steckte dir meine Hand in den Mund, um zu illustrieren wie Bauernkinder die Kälbchen an den Fingern saugen lassen.
Philippe Kuhn: Da habe ich von der Hand in den Mund gelebt.
Patti Basler: Und du hast tatsächlich ein Musical komponiert!
Philippe Kuhn: Welches letztlich sogar das Highlight war. Ein Musical über die Stromlücke.
Patti, Sprache und Wortspiele sind dein Handwerkszeug – du switchst auf der Bühne zwischen reinstem, glasklarem Standarddeutsch und tiefstem Fricktaler Dialekt. Was schätzt du am Hochdeutschen im Vergleich zur Mundart und wie setzt du beide Sprachvarianten jeweils ein?
Patti Basler: Ich mag beides gern. Für melodiöse Songs, für Kindheitserinnerungen oder die Parodie von politischen Parolen in unserem Land eignet sich Schweizerdeutsch. Präzise Sprache, Lyrik und Opern-Pathos findet sich eher im Hochdeutschen. Die direkten Nachbarn ennet dem Rhein, die Schwaben, können aber beides nicht.

Patti, du bist auf dem Uelberghof in Zeihen im oberen Fricktal aufgewachsen. Was ist für dich die schönste Kindheitserinnerung? Und wie ist das bei dir Philippe?
Philippe Kuhn: Ich bin auch vom Land! Ich wuchs auf der Allmend von Baden auf.
Patti Basler: Vom Land, dass ich nicht lache! Du hattest alles in Gehdistanz. Läden, Bars, Restaurants, die Badi. Ich musste immer mindestens zehn Kilometer mit dem Velo fahren, aber kam ohnehin nicht dazu, weil ich auf dem Hof helfen musste.
Philippe Kuhn: Man merkt, dass du keine Nachbarn hattest zum Sprechen. Du musst immer noch kompensieren!
Patti Basler: Dafür waren wir sehr frei damals: immer draussen am Spielen.
Philippe Kuhn: Genau wie bei mir. Stundenlang im Wald und draussen, ohne dass Erwachsene störten.

Worauf dürfen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer freuen, wenn ihr am 15. Oktober mit «Postmodern Talking» nach Möhlin kommt?
Patti Basler: Auf einen Bogen von der Steinzeit bis zur Postmoderne. Oder anders: Vom hintersten Wegenstettenertal bis zum urbanen Möhlin!
Philippe Kuhn: Auf viel Musik natürlich. Und auf viel zu viel Text!
Patti Basler: Auf Bluesgesang von Philippe, auf ein rappendes Heidi und auf Opernklänge.
Philippe Kuhn: Und am Schluss darauf, dass es vorbei ist.

«Postmodern Talking» mit Patti Basler und Philippe Kuhn: Donnerstag, 15. Oktober, 20 Uhr, SteinliChäller in Möhlin.
Tickets gibt es unter 4313kultur.ch, über eventfrog.ch, in der Papeterie Isenegger in Möhlin und in der
Bibliothek Möhlin.
Weitere Infos unter www.pattibasler.ch

Bilder: 
Bild 1: Patti Basler ist seit vielen Jahren als Bühnenpoetin, Kabarettistin, Satirikerin, Comedienne und Autorin national und international erfolgreich. Foto: Raphaela Graf
Bild 2: Patti Basler und Philippe Kuhn stehen seit zehn Jahren erfolgreich zusammen auf der Bühne. Foto: Ellen Mathys
Bild 3: Kabarettistin Patti Basler und Musiker Philippe Kuhn kommen am 15. Oktober mit ihrem neuen Programm «Postmodern Talking» nach Möhlin. Foto: Ellen Mathys