(pe) Mit den Worten «Wer dem Igel helfen will muss ihn kennen», begann Dagmar Sens von der Igelhilfe Baselbiet ihren Vortrag. Im Hirschensaal in Magden hatten sich rund vierzig Personen eingefunden, eingeladen von der Arbeitsgruppe Magden blüht.
Die AG Magden blüht gibt es seit 2023. Sie setzt sich für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt im Siedlungsraum ein. Sie wird unterstützt durch den Naturschutzverein Magden und den WWF Aargau. Susanne Ernst begrüsste die Referentin und die anwesenden Gäste. Danach übergab Regula Bachmann die Plakette «Trittsteingarten» an die Familien Kost und Wentz als Auszeichnung für zwei neu vom WWF zertifizierte Gärten. In Magden gibt es bereits sieben zertifizierte Gärten und drei weitere sind in Abklärung. Nähere Informationen dazu gibt es unter trittsteingaerten.ch.
Der Igel ist ein kleines Raubtier
Der Igel gilt als ältestes Säugetier auf der Erde und existiert seit mehreren Millionen Jahren. Er ist verwandt mit dem Maulwurf und der Spitzmaus. Der einheimische Braunbrustigel wird drei bis vier, maximal acht Jahre alt und kann ausgewachsen bis 2 kg schwer werden. Die Igel sind nachtaktiv und können auf ihren Rundgängen für die Nahrungssuche bis zu 3 km pro Nacht zurücklegen.
Tagsüber schläft der Igel. Er ist ein Wildtier, ein kleines Raubtier, das keine Pflanzen verdauen kann. Sehr gerne frisst er Laufkäfer, Larven, Regenwürmer und zur Not auch Schnecken. Er kann keine Milch, keine Rosinen oder Haferflocken verdauen. Davon wird sein Immunsystem geschwächt.
Der Winterschlaf ist für den Igel lebensnotwendig. Er dauert ca. von Oktober bis März. Die Igel verlieren während dem Winterschlaf bis 40 Prozent ihres Gewichts. Daher ist sein Mindestgewicht für den Winterschlaf circa 700 Gramm. Seine normale Körpertemperatur beträgt 36 Grad, im Schlaf nur 5 Grad und die Atemzüge senken sich von 40 bis 50 auf 3 bis 4 pro Minute.
Die natürlichen Feinde des Igels sind Dachs, Fuchs und Uhu. Von Menschen gemacht: Mähroboter, Fadenmäher, Swimmingpool, Strassenverkehr, ausgeräumte Gärten. Der Igel gilt seit 2022 in der Schweiz als potenziell gefährdet. Die Population ist in den letzten 25 Jahren um circa 40 Prozent zurückgegangen. Hauptgrund dafür ist der Mangel an Nahrung und Unterschlupf, also Essen und Wohnen. Daher ist auch klar, was wir tun können um dem Igel zu helfen: Laub liegen lassen. Unter dem Laub entwickelt sich die Nahrung der Igel. Asthaufen, Altholz, Laubhaufen im Garten ist Material, das der Igel für den Bau seines Winterquartiers braucht.
Soll man Igel füttern?
Je nach Jahreszeit und mit Augenmass, das heisst, wenn der Igel zu leicht ist, kann man ihn füttern. Da der Igel ein Wildtier ist, sind die in den Läden angebotene Igelfutter oft nicht gut geeignet. Die Marke «claus» kann jedoch empfohlen werden. Gut eignet sich auch Katzenfutter ohne Sauce und ohne Getreide mit viel Eiweiss. Wasser sollte man in einer flachen Schale anbieten. Füttern sollte man nachts und das Futter tagsüber entfernen.
Findet man verletzte, sehr stark mit Parasiten befallene oder klar untergewichtige Igel, solte man sie in eine Kiste mit mindestens 30 cm hohen Wänden legen, am besten mit einer Wärmeflasche. Nachdem der Igel gewogen wurde, sollte man sich bei der nächsten Igelstation melden. Die Adressen und Telefonnummern findet man im Internet unter www.igelhilfe-baselbiet.ch. Ist der Igel stark verletzt, z.B. durch einen Mähroboter oder Fadenmäher, bringen bringt man ihn am besten zum nächsten Tierarzt.
Am Ende des einstündigen, dichten, sehr klar und lebendig gehaltenen Vortrages beantwortete Dagmar Sens die zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Dabei spürte man ihre grosse Fachkompetenz als Tierärztin, Igelstation- und Tierschutzbauftragte und ihr Herzblut für die Igel, was sehr ansteckend wirkte. Die Besucherinnen und Besucher kennen den Igel jetzt besser und man darf zuversichtlich sein, dass die eine oder der andere dieses Wissen in die Gestaltung seiner Gärten einfliessen lassen wird.
Susanne Ernst verabschiedete die Teilnehmenden, bedankte sich bei der Referentin, dem WWF und dem Publikum. Traditionellerweise wurde die Veranstaltung mit einem kleinen Apéro beendet. Dabei diskutierte eine grössere Anzahl an Vortragsbesuchern angeregt weiter.