(af) Am Sonntag wurde Felix Berki in einem feierlichen Gottesdienst im reformierten Kirchgemeindehaus «Gässli» in Magden als neuer Pfarrer eingesetzt. In seiner Predigt lud er ein, mit ihm zu träumen.
Während des Theologiestudiums sei er noch unsicher gewesen, ob er wirklich ins Pfarramt wolle, sagte Felix Berki bei der Einleitung in den Gottesdienst. Erst mit fortschreitendem Weg sei er sich darüber im Klaren geworden. Und so gehe heute, mit seiner Einsetzung ins Pfarramt, ein über lange Zeit gewachsener Traum in Erfüllung. Deshalb habe er Träume als Thema für den Anlass gewählt.
Pfarrerin Noemi Breda, Dekanin des Dekanats Brugg, zu dem die reformierte Kirchgemeinde Region Rheinfelden gehört, nahm das Thema auf. Sie erinnerte an Jesus, der einst anfing zu träumen, von einer Welt, in der alle an einem grossen Tisch sitzen, alle genug zu Essen haben und auch Frieden und Liebe. Sie wünschte dem angehenden Pfarrer, dass er sich «zwischen Budgets, Formularen, Gottesdienstplänen, E-Mails und Telefonaten» seine Träume bewahre. Und sie erinnerte ihn daran, dass auch er selber ein Traum sei, im Sinn der grossen Theologin Dorothee Sölle: «Du hast mich geträumt, Gott, wie ich den aufrechten Gang übe und niederknien lerne, glücklicher, als ich mich traue, freier, als bei uns erlaubt.» Dann nahm sie Berki das Gelöbnis ab, sein Amt «auf Grund des Evangeliums von Jesus Christus gewissenhaft zu erfüllen».
Die Einsetzung einer Pfarrperson heisse «auf Kirchendeutsch Installation», sagte Dekanin Breda und fuhr lachend fort: «Was das bedeutet, muss ich Ihnen nicht mehr erklären.» Die Gemeinde habe einige Erfahrung damit. Tatsächlich ist Berki schon die dritte Pfarrperson, die in diesem Jahr in der Kirchgemeinde Region Rheinfelden «installiert» worden ist. Alle drei – Laura Klingenberg, Jonas Meier und Felix Berki – spielen Querflöte; bei der Installation von Pfarrerin Klingenberg traten sie erstmals gemeinsam auf. Die Resonanz war damals so positiv, dass sie auch diesmal im Nachklang der Einsetzung gemeinsam spielten.
Aufhebung der Zeit bei den Aborigines
Dann predigte der frischgebackene Pfarrer über Psalm 126, in dem das bekannte Sprichwort steht: «Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.» Wenn das geschieht, heisst es im Psalm, seien wir «wie Träumende». Berki erinnerte sich in seiner Kanzelrede an die Australienreise, die er gemeinsam mit seiner Frau Anne-Sophie nach dem Studium unternommen hatte. Dort sei er der Kultur der Aborigines begegnet und deren Traumverständnis, das sich von unserem westlichen durch seine spirituelle Tiefe unterscheide. Man spreche in dem Zusammenhang von «Traumzeit», wobei sich das spezifische Zeitverständnis der Aborigines gerade dadurch auszeichne, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht getrennt und dass auch innere Träume und äussere Wirklichkeit miteinander verbunden seien.
«Die trennende Vorstellung von Zeit wird spirituell aufgehoben», sagte Berki, und das wiederum bewirke, dass Träume nicht Schäume seien, sondern ihre Verwirklichung gleichsam vorwegnehmen. In diesem Sinn sei die berühmte Rede «I have a Dream» zu verstehen, die Martin Luther King 1963 hielt: «Die Aborigines würden sagen: Das Ziel hat schon lange begonnen, weil wir alle auf dem Weg dorthin sind und alles zeitlich-zeitlos miteinander verbunden ist.»
Auch das Sprichwort des Psalms sei in diesem Sinn zu verstehen: «In den Tränen ist schon der Jubel enthalten, in der Saat die Ernte.» Das, schloss Berki, der während seines Studiums in Südafrika mit befreiungstheologischen Ansätzen in Kontakt gekommen ist, sei «ein ermutigendes Bild für alle gesellschaftlichen Befreiungskämpfe, die wir in der Welt führen.»
Kater Nesquik und die Bergziege
«Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe», heisst ein bekanntes Kirchenlied, welches Felix Berki schon als Kind ans Herz gewachsen war und welches er nun, bei seiner Einsetzung, singen liess. Am Schluss des Gottesdienstes wurde es von einem erweiterten Kreis von Kirchenpflegenden und Mitarbeitenden noch einmal vorgetragen – mit anderem Text. Darin wurden Teamfähigkeit, Freundlichkeit, Gelassenheit des neuen Kollegen gelobt. Es wurde erzählt, dass er wie eine Bergziege die Hügel rund um Magden hochrenne, beim Kochen in der Küche tanze und einen Kater namens «Nesquik» besitze. Das Magdemer Glockenspiel läute heute besonders fröhlich, hiess es im Lied, und dass man Berki unterstützen wolle, dass er seine Träume wirklich leben könne.
Anschliessend ergriff der Präsident der Kirchenpflege, Dr. med. Roland Arnold, das Wort. Er erwähnte die A4-Seite mit Fragen, die ihm Felix Berki kurz nach Amtsantritt zukommen liess. Zunächst sei ihm das anstrengend vorgekommen, doch je mehr er sich darin vertiefte, habe er festgestellt, wie hilfreich das Paper sei, um eingespielte Abläufe zu hinterfragen. «Und ja», sagte Arnold, «damit hast du auch mich zum Träumen gebracht. Zum Träumen, was sein könnte.» Er freue sich, dass die Kirchgemeinde und insbesondere Magden mit Berki «einen so engagierten, präsenten und fragenden Pfarrer gewonnen hat». Vonseiten des Dorfs wurde Berki «Die Geschichte der Gemeinde Magden» überreicht – von Dr. Werner Rothweiler, der als Redaktor und Projektleiter an der Entstehung des Buchs wesentlich beteiligt gewesen ist. Der Gottesdienst klang, atmosphärisch passend, aus in «Salut d’Amour» des britischen Komponisten Edward William Elgar, vorgetragen von der Rheinfelder Cellistin Aline Schnepp, begleitet vom Musiker der Kirchgemeinde Rani Orenstein.
Der gute Hirte
Die Stühle im Kirchgemeindehaus «Gässli» waren schon weg- und der Apéro schon bereitgestellt, als die Festgemeinde noch einmal zusammengerufen wurde. Felix Berkis Vater Achim Kuhn, ebenfalls Pfarrer, sprach ein paar Worte, in denen er insbesondere die Empathie seines Sohnes würdigte, und überreichte ihm dann einen Stich des Schweizer Malers Max Hunziker. Das Werk zeige die biblische Figur des guten Hirten, der sich insbesondere jener Schafe annehme, die irgendwie gebrechlich sind. Das passe zum mitfühlenden Wesen von Felix; der gute Hirte sei aber auch ein Bild für Gott, der ein grosses Herz habe für unsere je eigene Gebrechlichkeit. Er, der Vater, habe das Werk einst von seinem Vikariatsleiter erhalten; nun, kurz bevor er selber in den Ruhestand trete, gebe er es seinem Sohn weiter, der am Anfang seiner beruflichen Laufbahn stehe.
Es war ein bewegender Abschluss des offiziellen Teils, bevor der Apéro mit den einzigartigen Spezialitäten – Kräuterkäserollen mit Gewürztagetes, Couscous mit Olivenkraut, Blätterteigsonnen mit Geissfuss usw. – der Magdemer Botanikerin Christine Bühler definitiv eröffnet wurde.