Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, am 22. Juni 1926, verstarb der Komponist Hermann Suter im Alter von 56 Jahren in Basel. Im Foyer des Rathauses Laufenburg DE erinnert eine Ausstellung an das Leben und Wirken dieses bedeutenden spätromantischen Komponisten.
MICHAEL GOTTSTEIN
Die Erinnerung an Hermann Suter ist dank des von ihm verfassten «Laufenburger Lieds» im Gedächtnis vieler Menschen präsent. In beiden Städten ist jeweils eine Strasse nach ihm benannt, und in der Herrengasse steht ein schön saniertes, um 1600 erbautes Haus, in dem er zehn Jahre seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte. «Dies zeigt die Wertschätzung, die wir Hermann Suter entgegenbringen», sagte Bürgermeister Ulrich Krieger, der zusammen mit Stadtammann René Leuenberger und Anita Stocker, der Präsidentin des Museumsvereins, die Ausstellung am vergangenen Dienstag eröffnete.
Erarbeitet wurde die Präsentation von Ariane Dannacher, Daniel Waldner, Gerhard Kunsemüller und Stadtarchivar Martin Blümcke (Laufenburg DE). In den mit vielen Fotos ergänzten Schautafeln beleuchtet sie das Leben und Wirken des Komponisten und besonders die Rolle der Männerchöre. Der Chorgesang war nicht nur für Hermann Suter und seine Familie wichtig (sein Vater leitete fast 30 Jahre lang den Laufenburger Männerchor, und seine Mutter sang im Kirchenchor), sondern spielte auch eine heute kaum mehr vorstellbare Rolle im kulturellen und politischen Leben jener Zeit. Die Musik und das gemeinsame Singen sollten in der sprachlich und kulturell diversen Eidgenossenschaft das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, wie Ariane Dannacher erläuterte. So organisierte der Männerchor Laufenburg im Jahre 1914 das Kantonale Gesangsfest, an dem 58 Vereine mit 2300 Sängerinnen und Sängern teilnahmen: Eine logistische Meisterleistung, welche die Ausstellung mit vielen Fundstücken belegt.
Doch die Zeiten ändern sich, und so löste sich der Männerchor Laufenburg-Kaisten im Jahre 2024 auf. Seine Archivmaterialien, mit denen die Ausstellung bestückt ist, kamen in den Besitz des Museums Schiff. Daneben bietet die Präsentation auch Hörbeispiele aus Hermann Suters wohl berühmtestem Werk, dem Oratorium «Le Laudi di Francesco d’Assisi.»
Das Leben Hermann Suters
Hermann Suter wurde am 28. April 1870 in Kaiserstuhl AG geboren. Er war fünf Jahre alt, als seine Familie in das Kaplaneihaus an der Herrengasse zog, wo er bis zu seinem 15. Lebensjahr wohnte. Sein Vater Hermann Suter sen. war Oberlehrer und als Organist und Chordirigent tätig. Ab 1885 besuchte Hermann junior das humanistische Gymnasium Basel. «Aus seiner Familie kamen auch Anregungen, dass er Theologie studieren solle, aber er entschied sich letztlich für die Musik», so Ariane Dannacher. Nach seiner Ausbildung bei Hans Huber in Basel studierte Hermann Suter an den Konservatorien in Stuttgart und in Leipzig, unter anderem bei Carl Reinecke. Nach beruflichen Stationen in Zürich, wo er als Lehrer, Organist und Dirigent von Männerchören tätig war, wurde er 1902 nach Basel berufen und zum Direktor der Allgemeinen Musikgesellschaft ernannt. Er dirigierte Sinfoniekonzerte, den Gesangsverein, die Basler Liedertafel und leitete ab 1918 auch für drei Jahre das Konservatorium.
Hermann Suter verfasste Lieder für eine Singstimme sowie Chöre, Kammermusik für verschiedene Besetzungen, ein Violinkonzert, eine Sinfonie für grosses Orchester und die symphonische Dichtung «Die erste Walpurgisnacht» (nach Goethe). Sein Oratorium «Le Laudi» nach dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi für Chor, Soli, Orchester und Orgel wurde 1924 im Basler Münster uraufgeführt und bis 1930 in 77 europäischen Städten gespielt. Er bediente auch das populärere Genre und ist für den Wettsteinmarsch und das «Laufenburger Lied» bekannt.
Seine Kompositionen geniessen zwar hohe Wertschätzung, werden aber heute nur noch selten aufgeführt, und in den musikgeschichtlichen Überblickswerken taucht sein Name eher am Rande auf. Er zählte nicht zu jenen Neuerern der romantischen Musik in der Traditionslinie von Berlioz, Wagner und Liszt, die unter dem verunglückten – da fälschlicherweise einen nationalen Charakter suggerierenden – Begriff «neudeutsche Schule» zusammengefasst werden und die die Musik durch Erweiterung der harmonischen Möglichkeiten revolutionierten. Vielmehr stand Hermann Suter in der Tradition der konservativen Romantiker wie Schumann, Reinecke und Brahms. Dem spätromantischen Stil blieb Suter auch treu, nachdem die Zwölftonmusiker neue Kompositionstechniken entwickelt und das Prinzip der Tonalität über Bord geworfen hatten. Was nicht heisst, dass Suters Musik «altbacken» wäre. Im Gegenteil: Wer etwa die «Laudi» hört, wird den koloristischen Reichtum dieser Partitur, die Schönheit der Gesangslinien, die wunderbare Orchestrierung und die treffsichere, feinfühlige Weise, wie er den Lobpreis der Natur in Musik umgesetzt hatte, sofort bewundern.
Plaketten und «Paradiesgarten»
Zum 100. Todestag von Hermann Suter hatte sich die Kirchenpflege der reformierten Kirche Laufenburg Gedanken gemacht, wie man den Komponisten ehren könnte: So wurde ein Stück der Grünfläche neben der Kirche renaturiert, und zwei Gedenkplaketten wurden aufgestellt. Die Idee hatte der Vizepräsident der reformierten Kirche, Marcel Geiger, der bei der Eröffnung eine Verbindung zu den «Laudi» herstellte. Geholfen hatten die Gebrüder Schraner und Theo Obrist.
Das Programm der Ausstellung
Am Sonntag, 5. Juli, 10 Uhr, feiern die evangelischen Pfarrer Regine Born und Norbert Plumhof einen Gottesdienst auf der Laufenbrücke. Um 11.30 Uhr beginnt eine kostenlose Stadtführung zu Hermann Suter. Treffunkt ist die Tourist-Info in Laufenburg. Um 17 Uhr beginnt im Schlössle in Laufenburg DE ein Konzert mit Werken von Hermann Suter und Massimiliano Matesic. Eine Präsentation zum Laufenburger Lied gibt es bis zum Herbst in den Fenster des alten Zollhauses auf der deutschen Seite der Rheinbrücke, die Diashow läuft täglich von 11 bis 23 Uhr. Die Ausstellung im Rathausfoyer ist bis zur Kulturnacht am 5. September zu den Öffnungszeiten des Rathauses (montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr) zu sehen.