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Die Kapelle in Rheinsulz. Foto: Michael Gottstein
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Die Rheinsulzer Kapelle birgt einen Schatz: Die bedeutenden Fresken in St. Margaretha

Ob prächtig und an exponierter Stelle stehend oder eher bescheiden in Ausmassen und Aussehen: Kapellen sind ein unverzichtbarer Teil der Kulturlandschaft. Sie sind Zeugen einer einst ausgeprägten Volksfrömmigkeit und Kulturdenkmale, die viel über die Geschichte einer Region verraten. fricktal.info stellt in loser Folge einige Kapellen des Fricktals vor. Dieses Mal: Die St.-Margaretha-Kapelle in Rheinsulz.

MICHAEL GOTTSTEIN

Zugegeben: Die kleine, mitten in die dörfliche Umgebung von Rheinsulz hineingeduckte Kapelle St. Margaretha ist nicht ganz mit der äusserlich ebenfalls bescheidenen Klosterkirche St. Johann in Müstair vergleichbar, die 1983 wegen ihrer gut erhaltenen karolingischen Fresken mit dem UNESCO-Weltkulturerbe-Titel geadelt wurde. Nichtsdestotrotz birgt die Kapelle einen für das Fricktal und auch darüber hinaus höchst bedeutenden Schatz.

Das Innere der St.-Margaretha-Kapelle. Foto: Michael GottsteinAuch wenn das Gotteshäuschen nicht repräsentativ wirkt, bildete das vom Kloster Säckingen gegründete Kirchlein während vieler Jahrhunderte (bis etwa 1600) den Mittelpunkt der Pfarrei Rheinsulz. Untersuchungen im Rahmen einer Aussenrenovierung in den 1960-er Jahren ergaben, dass die Kirche im 11. Jahrhundert erbaut wurde und noch heute grossenteils aus dem uralten Mauerwerk besteht. Allerdings musste der einst halbrunde Chorabschluss im Jahre 1575 einem rechteckigen Abschluss Platz machen.

Im Inneren präsentiert sich ein stilistischer Mix, der gleichwohl interessant ist, weil er nicht nur die Historie der Kirche, sondern auch die unterschiedlichen Konzepte und Idealvorstellungen der Denkmalpflege dokumentiert. Das auffällige Rot des Chorraums ist die Folge einer Restaurierung von 1929. Der Altaraufsatz trägt das Wappen von Franz von Sonnenberg, der von 1648 bis 1682 als Komtur der Johanniterkommende Leuggern-Klingnau vorstand. Das Ölbild von 1662, vermutlich von dem Laufenburger Maler Theophil Glettinger, zeigt die Hinrichtung der Kapellenpatronin.

Margareta, Barbara und Katharina von Alexandrien sind die einzigen weiblichen Heiligen im Kreis der Vierzehn Nothelfer und waren im Volk als die Heiligen Drei Jungfrauen bekannt und populär: Es ist daher kein Wnder, dass die Kapelle der Märtyrerin von Antiochia gewidmet wurde. Die im Stil des Historismus gehaltenen Glasfenster entstanden um 1900.

Fridolin leitet mit einem Ochsengespann den Rhein um. Foto: Michael GottsteinSelten dargestellte Szene aus dem Leben des heiligen Fridolin
Das Besondere sind die wohl aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts stammenden spätromanischen Fresken. Dass sie überstrichen wurden, erwies sich als Glücksfall, denn so blieben die empfindlichen Malereien erhalten. Bei der Freilegung in den Jahren 1928 und 1929 erhielten sie eine dekorative Fassung – Fehlstellen zu ergänzen, war damals eine verbreitete Praxis der Denkmalpflege, während man heute dazu neigt, den Originalzustand zu erhalten und Fehlstellen sichtbar zu lassen. 2009 und 2010 erfolgte eine erneute Sanierung im Zuge der Kapellenrenovation. Ein rotes Band teilt die Bildfläche in zwei gleich hohe Streifen. Sie zeigen Szenen der Passion Christi und eine Reihe von Aposteln: also ein Bildprogramm, das man in jeder Kirche erwarten kann.

Hingegen stellten die östlichen Freskenfragmente die Kunsthistoriker vor Herausforderungen. Was wird in der Szene mit Ochsen, einem Gespann, einem Heiligen und Helfern dargestellt? Diese seltene zu sehende Szene liess sich mit gängigen Überblickswerken zur christlichen Ikonographie nicht ohne Weiteres entschlüsseln, aber die Tatsache, dass die Kapelle vom Kloster Säckingen gegründet worden war, half den Denkmalpflegern, einen Bezug zur Vita des heiligen Fridolin herzustellen – allerdings nicht zu der bekannten Darstellung Fridolins mit einem Skelett, wie man sie im Langhaus des Bad Säckinger Münsters findet: Beim Skelett handelt es sich um Urso, der dem Heiligen Ländereien vermacht hatte; nachdem Ursos Bruder die Erbschaft angefochten hatte, erweckte Fridolin Urso zum Leben, damit dieser vor Gericht die Schenkung bezeugen konnte. Im Seitenschiff des Bad Säckinger Münsters und auf dem gotischen Holzrelief im Münsterschatz finden sich ähnliche Motive wie in der Kapelle St. Margaretha. Plausibel erscheint daher die These, dass es sich um eine frühe Episode der Fridolinslegende handelt, wonach der Heilige, unterstützt von Helfern, mit einem Ochsengespann den Rhein umleitet, um den Bau des Klosters vorzubereiten. Es dürfte sich bei dem Fresko sogar um die älteste szenische Darstellung des Heiligen im Aargau handeln.

Bilder:
Bild 1: Die Kapelle in Rheinsulz.
Bild 2 Das Innere der St.-Margaretha-Kapelle.
Bild 3: Fridolin leitet mit einem Ochsengespann den Rhein um.
Fotos: Michael Gottstein