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Halbfabrikat eines Steinbeils, um 3000 v.Chr., Fundort: Künten. Leihgabe: Kantonsarchäologie Aargau, Brugg
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Das Verborgene begreifen: Wie Archäologie und Tastsinn das Unsichtbare erforschen

(eing.) Was im Boden liegt, ist verborgen. Dennoch besitzen Archäologen die Fähigkeit, diese Dunkelheit zu durchdringen: Sie wissen genau, wonach sie suchen müssen, und «sehen» das Verborgene im Boden anhand minimaler Indizien, noch bevor es das Tageslicht erblickt. Am Sonntag, 15. November, lädt das Rehmann-Museum zu einer aussergewöhnlichen Dialogveranstaltung ein, die genau dieses Phänomen beleuchtet.

Unter dem Titel «Das Verborgene begreifen» diskutieren die Kantonsarchäologie Aargau und der blinde Experte Stefan Rehmann im Rahmen der Werkschau von Mo Diener (*1961) über das Wechselspiel von Wissen, Tastsinn und Spekulation in der archäologischen Forschung.

In der Archäologie entscheidet am Material oft nicht das Auge, sondern die Fingerspitze. Bei der Bestimmung und Datierung von fragmentierten Keramikgefässen ist der Tastsinn eine wesentliche Methode, um die Materialbeschaffenheit und die Tonmagerung zu erfassen. Beides gibt Hinweise auf die Herstellungstechnik und zeitliche Einordnung der Keramik.

Doch das Gespräch an diesem Abend geht einen Schritt weiter und untersucht das Moment des Spekulativen: Wie eine blinde Person ein Objekt über das Ertasten und die eigene Erinnerung im Geist zusammensetzt (und sich dieses Bild im Verlauf als Trugschluss erweisen kann), so ergeht es manchmal auch der Wissenschaft. Archäologie ist kein starres Faktenkonstrukt, sondern ein permanentes, dynamisches Vortasten. Archäologische Erkenntnisse werden immer wieder reflektiert, erweitert und weiterentwickelt. Die Vergangenheit ist keine fixe Geschichte, sondern wächst stetig mit dem Stand der Erforschung.

Das Podiumsgespräch, moderiert von Patrizia Solombrino (Rehmann-Museum), schlägt damit eine faszinierende Brücke zwischen der haptischen Erfahrungswelt blinder Menschen und der wissenschaftlichen Methodik im Umgang mit dem Unvollständigen.

Über Stefan Rehmann: Stefan Rehmann ist Psychotherapeut und wohnt als Nachbar im ehemaligen Wohnhaus von Erwin Rehmann. Als blinder Kunstliebhaber möchte er die Wahrnehmung von Kunst über den Tastsinn einem breiteren Publikum zugänglich machen. Trotz seines Namens ist Stefan Rehmann nur entfernt mit Erwin Rehmann verwandt. Benjamin Höpfer ist Archäologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kantonsarchäologie. Sein Spezialgebiet sind mittelbronzezeitliche Siedlungen und Landschaftsarchäologie. Er lebt mit seiner Familie in Laufenburg. Debora C. Tretola Martinez ist Archäologin und Amphorenspezialistin in der Kantonsarchäologie. Mit ihrer grossen Erfahrung kann sie selbst kleinste Amphorenfragmente ihrem Herkunftsort in ganz Europa zuweisen.

Der Eintritt kostet 15, reduziert zehn, Franken und ist für Geflüchtete gratis.
Mit dem Eintritt zum Gespräch ist der Eintritt in die Ausstellung inklusive.
Wird zuvor die öffentliche Führung besucht, kostet der Eintritt, inklusive Führung und Gespräch und Ausstellungseintritt, 20 (reduziert 15) Franken.

Bild: Halbfabrikat eines Steinbeils, um 3000 v.Chr., Fundort: Künten. Leihgabe: Kantonsarchäologie Aargau, Brugg
Foto: Patrizia Solombrino